Oligodendrogliome und Mischgliome
Innerhalb der oligodendroglialen Tumoren lassen sich z. Zt.
aufgrund ihrer genetischen Signatur zwei pathogenetisch
unterschiedliche Subtypen identifizieren.
Die Kerngruppe der Oligodendrogliome ist molekulargenetisch
durch den Verlust de langen Arms von Chromosom 1 und des
kurzen Arms von Chromosom 19 (-1p/-19q) charakterisiert.
Sowohl die reinen Oligodendrogliome als auch die
Oligoastrozytome mit der -1p/-19q-Veränderung zeigen eine
besondere Vorzugslokalisation ausserhalb des
Temporallappens und treten nicht selten bilateral auf
(Zlatescu et al., Cancer Res 61: 6713, 2001; Müller et
al., Am J Pathol 161: 313, 2002). Sie haben eine
bessere Prognose und scheinen v.a. besser auf eine
Polychemotherapie nach dem PCV-Schema anzusprechen (Ino
et al., Clin Cancer Res 7: 839, 2001).
Die genetischen Veränderungen haben bei den
Oligodendrogliomen und Mischgliomen so sehr an prädiktiver
Bedeutung gewonnen, dass molekularpathologische
Zusatzuntersuchungen bei dieser Diagnose heute empfohlen
werden sollten. Allerdings zeigen auch immerhin bis zu 1/3
der Anaplastischen Oligodendrogliome ohne –1p/-19q
ein Ansprechen auf die PCV-Therapie.
Die molekularpathologische Untersuchung wird bei uns z.Zt.
als Nachweis eines Verlustes der Heterozygosität (LOH) von
Mikrosatelliten-Markern der Chromosomen 1p, 19q und 10q
durchgeführt. Nach PCR-Amplifikation werden die
PCR-Produkte in einem automatischen Sequenzierer mit einem
Programm zur Mikrosatelliten-Analyse untersucht. Dazu ist
es nötig, zusätzlich zum Tumorgewebe eine
Normalgewebsreferenz des gleichen Patienten zu erhalten.
Dabei hat sich die Verwendung von peripherem Blut als
günstig erwiesen. Dieses sollte uns als EDTA-Blut (3 ml)
zugesandt werden.
MGMT-Promotermethylierung und
Temozolomid-Therapie
Die O6-Methylguanin-Methyltransferase MGMT ist ein
Reparaturenzym, das durch Alkylantien ausgelöste
DNA-Schäden reparieren kann. Bilden die Tumorzellen viel
MGMT, so werden viele Schäden repariert und die Therapie
scheint weniger erfolgsversprechend zu sein. Wird wenig
MGMT gebildet, scheint ein besseres Ansprechen einzutreten.
Ob wenig oder viel MGMT exprimiert wird, wird über den
Promoter des MGMT-Gens reguliert. Ist der Promoter
methyliert, ist das Gen "abgeschaltet" und es wird kein
MGMT exprimiert. Ist der Promoter dagegen unmethyliert,
wird viel MGMT exprimiert.
In einer Begleituntersuchung zur EORTC-Studie 26981/22981
(Temozolomid plus Strahlentherapie vs. Strahlentherapie
allein) konnte die Lausanner Arbeitsgruppe von M. Hegi
zeigen (Hegi et al., NEJM 352: 997, 2005), dass
Glioblastome mit MGMT-Methylierung wesentlich besser auf
eine Radiochemotherapie mit Temozolomid ansprachen als
Patienten mit unmethyliertem Promoter (mediane
Überlebenszeit 21,7 Mon. vs. 12,7 Mon.).
Wir führen die molekularpathologische
MGMT-Promoteruntersuchung z. Zt. als Echtzeit-PCR aus dem
paraffineingebettetem Tumorgewebe durch.